Thorsten Streichardt

zeichnet, nimmt auf:
Geräusche und Kontakt
mit Dingen unter Bedingungen,
die mit ihm machen,
was er daraus macht.




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Die Herrschaft der Produktionsmittel



Wie bestimmen die Dinge, die mich umgeben, die zur Verfügung stehenden Materialien und Geräte, meine Handlungsmöglichkeiten?





Das sprichwörtliche „unbeschriebene Blatt“ gibt es nicht, hat es nie gegeben. Alles ist schon geprägt, Eigentum eines Zusammenhangs, der ein Funktionieren nicht nur bereitstellt, Nutzen nicht nur verspricht, sondern einfordert. Er unterwirft mich seiner Logik, nach der ich mich zu richten habe. Jede/r kennt diese Form der stillen Zurichtung z.B. durch die Entwicklung neuer Standards in der Computertechnik. Als User bediene ich sie. Vorrangig befinde ich mich also in einem Abhängigkeitsverhältnis unter einem normativen Druck, den ich gelernt habe, hinter dem Versprechen auf Zugewinn unverzichtbarer Möglichkeiten verschwinden zu lassen.
Als teilnehmender Beobachter arbeite ich gleichzeitig mit und gegen diese Abhängigkeit von Bedingungen, die, als selbstverständlich hingenommen, sofort unsichtbar werden. Mein Vorgehen besteht aus Drehen und Wenden, Zerlegen, forschendem Bearbeiten, Kombinieren von alltäglichen Gegenständen. Meine Aufmerksamkeit richtet sich dabei auf das, was nicht unbedingt erwünscht ist, wie z.B. das Aufkratzen von Papier durch einen harten Bleistift, das Röcheln von Kaffeemaschinen oder die abgeplatzten Ecken von Kalksteintreppen. Störungen und Fehler nehme ich freundlich auf und versuche, sie in bildgebende Techniken zu überführen. Ich setze sie in ein anderes Bezugssystem, z.B. Landschaftsdarstellung oder Portrait, das in erster Linie eine den Umgang mit den Bildmitteln legitimierende Funktion hat. Dabei spielen Vorstellungen von Natur, Wachstum, Konstruktion, Kontrolle und Auflösung eine wichtige, aber nachgeordnete Rolle. Auf mein Tun unter bestimmten Gegebenheiten, in konkreten Situationen, kommt es mir an. Die Zeichnungen, Objekte und Installationen sind Aufnahmen oder Speicherungen dieses Tuns, durch das ich mich zu meiner Umgebung ins Verhältnis setze.